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Ob Spieler, Schiri, Mitarbeiter oder Chef: Motivation und Selbstvertrauen sind der Schlüssel zum Erfolg.

Was passiert, wenn ein Spieler seit längerer Zeit das Tor nicht mehr getroffen hat?

Richtig: Man klopft ihm auf die Schulter, baut ihn auf und versucht um jeden Preis, sein Selbstvertrauen zu steigern.

Und wie ist es mit dem Schiedsrichter…? Oder Ihren Mitarbeitern? Spielt es eine Rolle, ob Sie jemanden besser kennen oder nicht?

Ein Blick zurück in die Kindheit

Schon als kleine Kinder lernen wir, dass man «Danke» sagt, wenn man etwas bekommt. Obwohl gut gemeint, wird diese Erziehungsmassnahme oft jedoch eher als Druck von aussen erlebt, so dass uns später als Erwachsenen das Wort «Danke» zwar leicht über die Lippen geht, allerdings dann auch eher mechanisch oder reflexartig. Dabei hat das Gefühl echter Dankbarkeit wenig zu tun mit antrainierten Höflichkeitsfloskeln.

Dankbarkeit schützt das Herz

Paul J. Mills, Professor für Psychoneuroimmunologie und Psychosomatik an der University of California, entdeckte, dass Dankbarkeit die Gesundheit von Herzpatienten verbessert (den ganzen Artikel finden Sie hier: Mills, Paul J./Redwine Laura in: GGSC Magazine, October 2017). An seiner Studie nahmen 186 Männer und Frauen teil, die unter einer Herzschwäche litten. Ein Teil der Gruppe musste ein Dankbarkeitstagebuch führen, die Kontrollgruppe nicht.

Nach Abschluss der Studie konnte festgestellt werden, dass sich der Gesundheitszustand der Tagebuchgruppe verbessert hatte, wogegen die Vergleichsgruppe keine Verbesserungen zeigte. Mills führt die positiven gesundheitlichen Effekte direkt auf die Dankbarkeit zurück und geht davon aus, dass Dankbarkeit den Vagusnerv im menschlichen Körper aktiviert. Dieser ist Teil unseres körpereigenen Ruhesystems, wodurch auch chronischer Stress gesenkt werden könnte.

Dankbarkeit als Nährboden

So führt echt gelebte Dankbarkeit zu mehr Kreativität, besserer sozialer Integration und höherer Widerstandskraft. Wer dankbar ist, kann positive Erfahrungen mehr geniessen und erlebt weniger negative Gefühle wie Eifersucht, Neid, Ärger oder Schuld. Wer dankbar ist, kann leichter mit Belastungen umgehen, hat ein höheres Selbstwertgefühl und verhält sich hilfsbereiter, was sich wiederum positiv auf seine sozialen Beziehungen auswirkt.

Ein schlechtes Beispiel

Während meiner Zeit als Student arbeitete ich in einem internationalen Handelsunternehmen mit rund 200 Mitarbeitern. Der CEO, mit unserer Kultur nicht gross vertraut, bekam nach zwei Jahren an einem Mitarbeiter-Fest einen Tisch-Bilderrahmen. Darin nicht ein Bild seiner Mitarbeiter, sondern ein Blatt mit der Aufschrift «Das händ Sie guet gmacht!» Das war nicht etwa als Ausdruck der Dankbarkeit durch die Belegschaft zu verstehen, sondern wie die Überbringerin betonte um zu üben, was ihm anscheinend schwer fiel…

Dankbarkeit lässt sich wie ein Muskel trainieren

Wissenschaftler der University of Indiana konnten nachweisen, dass die Wirkung von Dankbarkeitsübungen nach einiger Zeit sogar als neurobiologische Veränderung im Gehirnscan sichtbar ist (Brown Joshua et al., Gratitude, 2016). Die Psychologen hatten ein Onlinetraining entwickelt, das ihre Erwartungen deutlich übertroffen hat:

Eigentlich sollten die Dankbarkeitsübungen lediglich die Sorgen- und Grübelneigung der Teilnehmer reduzieren. Das Training wirkte sich jedoch auch positiv auf deren Zuversicht, Stressresistenz und Depressivität aus. Massgebend für diesen Erfolg ist, dass die Probanden ihre Fähigkeit verbessern, positive Dinge wahrzunehmen. Denn es ist fast unmöglich, zugleich pessimistisch und dankbar zu sein.

Erfahrungen aus einem Swiss Olympic-Seminar

Im Jahr 2000 war ich Teilnehmer an einem Schiedsrichter-Seminar von Swiss Olympic. Zum Abschluss des ersten Tages mussten alle Teilnehmer je fünf Dinge nennen, die sie sehen, hören und riechen konnten. Ich sage Ihnen, wie ich solche Übungen hasse. Und als Steigerung durfte jedes Wort nur einmal genannt werden. Das bedeutet, wenn ein Teilnehmer eines meiner fünf Wörter nannte, musste ich ein neues suchen… Und je länger die Übung dauerte, desto mehr fing sie an, mir zu gefallen. Seither verging fast kein Tag, an dem ich nicht an diese Übung dachte:

Es ist schlicht ein schönes Gefühl, wenn man sich bewusst macht, wie viele positive Dinge einen umgeben.

Die Umfrage unter Autofahrern

Wenn man eine Umfrage unter Autofahrern machen würde (diese These ist also rein hypothetischer Natur meinerseits), so glaubten neun von zehn Befragten, sie gehörten zu den top drei in ihrer Kategorie. Natürlich ist das nicht möglich. Doch wie kommt es dazu? Weil jeder sein Bestes gibt und nicht gerne Fehler macht.

Im Berufsleben ist die Quote vermutlich ähnlich, genau wie die Begründung: Die meisten Leute machen Fehler nicht absichtlich – im Gegenteil: sie geben ihr Bestes. Die meisten Mitarbeiter und Chefs betonen jedoch stets die Fehler (weil man sie verbessern muss) anstatt das Gegenüber für die Anstrengungen zu loben.

Wie ist es bei Ihnen? Fällt Ihrem Chef Ihr Engagement toujours auf? Werden Sie dafür nicht gerne gelobt?

Meine Empfehlung:

Ich möchte an dieser Stelle nicht soweit gehen wie die Experten und Sie dazu auffordern, ein Dankbarkeitstagebuch zu schreiben. Wer weiss, vielleicht machen Sie die oben beschriebene Übung von Swiss Olympic einmal, rein aus Neugier, aber auch das muss nicht sein.

Versuchen Sie ganz einfach, einen Rückblick (bzw. dessen Abschluss) immer positiv zu gestalten, konzentrieren Sie sich auf die Dinge, für die Sie dankbar sind. Und sagen Sie «Danke!». Lieber einmal zuviel als zuwenig. Es ist ganz einfach die beste, günstigste und definitiv die wirkungsvollste Art der Motivation. Und als schöner Nebeneffekt werden auch Sie sich bald viel besser fühlen – garantiert! Probieren Sie es aus. Danke.